Musiker, Brückenbauer, Organisationstalent 2018-07-25T23:19:02+00:00

Musiker, Brückenbauer, Organisationstalent

Martin Studer ist ein gefeierter Dirigent, im In- und Ausland. Zahlreiche Preise hat er gewonnen und geniesst international einen guten Ruf. Trotz der Höhenflüge bleibt der ehemalige Steinerschüler mit beiden Beinen auf dem Boden.

Entspannt sitzt mir Martin Studer gegenüber und erzählt. Obwohl seit längerem in Bern wohnhaft, ist der « schnelle Zürcher » nicht zu verkennen. Seine Liebe zu seinem Beruf ist sofort spürbar, er sprüht vor Begeisterung.

Der Dirigent wird sowohl im In- als auch im Ausland geschätzt und gefeiert, zahlreiche international beachtete Preise hat er gewonnen, kurz : Martin Studer eilt sein Ruf voraus. Und doch ist er weit entfernt vom unnahbaren Maestro, offen geht er mit hör- und sichtbarem Interesse auf seine Mitmenschen zu.

Schon in seiner Kindheit spielt Musik eine wichtige Rolle. Er wächst nicht in einer typischen Musikerfamilie auf, aber in einem Umfeld, in dem die Musik einen grossen Stellenwert hat. Als Kind beeindruckt ihn das Orgelspiel des einen Grossvaters und die mit wunderschöner Stimme vorgetragenen Arien des Tessiner Grossvaters mütterlicherseits. Er bringt sich selber das Klavierspielen bei, dann geht es weiter mit Geigenunterricht. Das Spielen in Orchestern, zuerst im Klassenorchester an der Steinerschule Zürich und dann u. a. im Schweizer Jugendsinfonieorchester, wird für den damals jungen Musiker ganz wichtig. Der Solistentyp sei er nie gewesen, so Martin Studer, viel wichtiger sei ihm das Ganze. So lässt er sich zum Kappellmeister ausbilden und studiert Musiktheorie.

Neben seiner Tätigkeit als Gastdirigent mit etablierten Berufsorchestern und dem Realisieren eigener (Tournee-)Projekte ist für ihn das Fördern junger Musikerinnen und Musiker stets ein zentrales Anliegen. Er versteht sich auch als Brückenbauer zwischen den Generationen, zwischen Profis und Laien, zwischen den Menschen.

Konzerte beschränken sich für Martin Studer nicht nur aufs Musizieren, sondern sind für den Dirigenten Gesamtkunstwerke, welche auch die Organisation beinhalten. Diese empfindet er nicht als mühsames Nebengeschäft, sondern der Künstler hat Freude an der Organisation, sieht es als künstlerische Herausforderung, Hindernisse aus dem Weg zu räumen und damit für die Musikerinnen und Musiker einen Raum zu schaffen, der das Beste möglich macht.

Auf meine Frage, was denn Musik für ihn sei, wird Martin Studer nachdenklich und sagt, Musik sei eine Sprache, die alle menschlichen Emotionen ausdrücke und diese als Botschaft rüberbringen wolle. Ein gelungenes Konzert sei es dann, wenn das Publikum berührt werde. Musik sei für die Musikerinnen und Musiker aber auch eine Lebensschulung, in der das Aufeinanderhören und das Miteinander geschult werde.

Wie führt denn der Dirigent Studer seine Musiker­innen und Musiker, damit dies möglich wird und damit die Einzelnen ihr Bestes geben können ? Auf diese Frage antwortet er, ohne lange überlegen zu müssen : Das A und O sei Freude, Motivation und der Humor, und zwar ein Humor, der verkrampfte Konzentration löse und zu einer entspannten Konzentration führe.

Martin Studer besuchte in Zürich zwölf Jahre die Steinerschule, bevor er am staatlichen Gymnasium die Matur machte. Seine Schulzeit habe ihn Weltoffenheit und Sozialkompetenz gelehrt. Die Schule habe ihn auch dazu ermutigt, eigene Wege zu gehen, seine Ziele zu verfolgen, sich nicht bremsen zu lassen und Grenzen überwinden zu lernen – für seine Arbeit absolut zentrale Themen. Und nicht zuletzt war es für ihn wichtig, dass in der Schule viel musiziert wurde.

Prägend für ihn war auch ein Studienaufenthalt in Finnland. Dort lernt er eine neue Beurteilungskultur kennen : weg vom defizitorientierten Blick, wie er auch in der Schweiz üblich ist, hin zu einem offenen, vorwärtsgerichteten Blick, der Fehler zulässt und bejaht und der Neues nicht nur toleriert, sondern geradezu fördert und begrüsst.

Diese Haltung versucht er auch in seiner Arbeit mit jungen Musikerinnen und Musikern zu pflegen : Es geht nicht darum, das Runterzufallen zu vermeiden (denn das wird sowieso passieren), sondern zu lernen, wie man wieder aufsteht.

Martin Studer, geboren 1962, aufgewachsen in Zürich, Besuch der Rudolf Steiner Schule in Zürich (1969 – 1981). Nach der Matur Musikstudium in Bern (Kapellmeister, Musiktheorie). Haupt­beruflich freischaffender Dirigent im In- und Ausland. Hat zahlreiche Musik-Formationen und -Institutionen aufgebaut (NZO, ALSO, SMF, Phil-A, u. a.). Zentrales Anliegen seiner vielseitigen Tätigkeit ist das (auch inter-disziplinär und generationen-übergreifend gedachte und gelebte) Fördern von jungen Musikerinnen und Musikern sowie das Brückenbauen zwischen den Generationen, zwischen Profis und Laien, zwischen den Menschen. www.nzo.ch, www.martinstudermusik.ch